Umgang mit Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache

Seit Beginn dieses Schuljahres 2017/2018 besuchen ca. 26 Schülerinnen und Schüler mit Ausbildungsverträgen unsere Berufsschulklassen in unterschiedlichen Ausbildungsberufen (z. B. Kaufleute im Einzelhandel, Fachkräfte für Lagerlogistik und Fachlageristen, Kaufleute für Büromanagement, Zahnmedizinische und Medizinische Fachangestellte), um eine duale Ausbildung zu absolvieren. In den Bildungsgängen Berufsfachschule Wirtschaft und Berufliches Gymnasium gibt es bisher wenige Schüler mit Sprachförderbedarf.

Nach Auskunft vom Sprachbildungszentrum Wolfsburg, NLSchB, Regionalabt. Braunschweig, Dez. 2 gilt für den Unterricht die folgende Rechtsgrundlage:

RdErl. d. MK v. 1.7.2014 „Förderung von Bildungserfolg und Teilhabe von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache“ (Auszüge s. Seite 3).

Dabei weist die Landesschulbehörde auf einen Aspekt besonders hin: „Für eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht muss man das in der Schule benutzte Sprachregister beherrschen. Dieses wird als Bildungssprache bezeichnet. Die Bildungssprache steht der geschriebenen Sprache näher, ist abstrakter und grammatisch komplexer als die Alltagssprache. Sie enthält außerdem Fachausdrücke aus den verschiedenen Schulfächern. Sie muss von allen Schülerinnen und Schülern – auch von denjenigen mit Deutsch als Familiensprache – erworben werden. (…) Die Aufgabe der Förderung von sprachlicher Handlungsfähigkeit in Mündlichkeit und Schriftlichkeit ist Aufgabe jeden Unterrichts. Statt dass jedoch im Fachunterricht zusätzlicher Sprachunterricht erteilt wird, ist die Vermittlung sprachlicher Lernziele eng mit derjenigen der fachlichen Lernziele verzahnt.“

(Vgl. https://www.landesschulbehoerde-niedersachsen.de/bu/schulen/schulentwicklung/ sprachbildungszentren/sprachbildung-im-fachunterricht (19.09.2017))

Vorgehen an der Carl-Hahn-Schule

Aufgrund der o. g. Ansprüche an die Schule wurde zunächst von der Schulleitung eine Möglichkeit gesucht, Sprachförderung anzubieten. Außerdem hat sich eine Arbeitsgruppe „Sprachförderung“ mit fünf Lehrkräften gebildet, um zu erarbeiten, inwieweit die Sprachförderung auf verschiedenen Ebenen implementiert werden könnte. Dazu wurde zunächst der theoretische Hintergrund ermittelt und nach praktischen Vorbildern gesucht. Mittlerweile hat das Team Lehrerfortbildungen organisiert, Kontakt mit dem Sprachbildungszentrum in Wolfsburg aufgenommen und es erarbeitet konkrete, d. h. praktische, Unterstützungsmaßnahmen für die Schule, z. B.

-Hinweise auf Lehrbücher, Links etc. mit Sprachhilfen (z. B. Online-Wörterbücher)

-Informationen über Beratungsangebote für die Schülerinnen und Schüler wie z. B. abH

-Handreichungen für Methoden zur Unterstützung interkultureller Kompetenzen

Sprachförderangebot für Schülerinnen und Schüler in unserer Schule

Um eine kurzfristige Unterstützung zu bieten, findet seit Februar ein freiwilliger Sprachförderunterricht am Dienstag und Mittwoch in der 9. und 10. Stunde an. Die Durchführung des Unterrichts hat Frau Figur, eine zukünftige Referendarin, übernommen. Frau Figur hatte schon im Studium mit der Sprachförderung zu tun, so dass sie genau die geeignete Lehrkraft dafür ist. Da sie die Fächer Wirtschaft und Deutsch hat, ist sie auch in der Lage, den Bedürfnissen nach fachlichen Inhalten gerecht zu werden. Zwar kommen die Teilnehmer aus unterschiedlichen Berufen, aber in allen Berufen gibt es das Lernfeld 1 (Orientierung im Beruf), sodass hier eine inhaltliche Klammer gegeben ist. Da Frau Figur am 1. Mai 2018 mit dem Referendariat begonnen hat, haben wir einen Ersatz gesucht. Wir kooperieren jetzt mit der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben, damit eine erfahrene Lehrkraft den Unterricht übernehmen kann. Seit dem 02.05.2018 hat Herr Glajc den Unterricht übernommen. Zunächst läuft die Vereinbarung bis zu den Sommerferien, danach müssen wir den Bedarf neu ermitteln und ggf. das Angebot erweitern. Eine Fortsetzung ist vorgesehen und wird aus dem Schulbudget finanziert.

Außerschulische Unterstützung

Parallel nehmen die meisten Schülerinnen und Schüler ausbildungsbegleitende Hilfen (vorwiegend bei der Oskar-Kämmer-Schule in Wolfsburg) in Anspruch und/oder werden von Paten betreut.

Angebot für das Kollegium

Für viele Lehrkräfte ist die Situation neu, dass Schülerinnen und Schüler mit geringen Sprachkenntnissen aus unterschiedlichsten Ländern (Elfenbeinküste, Syrien, Afghanistan, Türkei, Italien…) an unserer Schule beschult werden. Deshalb haben wir begonnen, das Kollegium im Bereich „Sprachsensibler Fachunterricht“ fortzubilden.

Für die erste Fortbildung haben wir die Referenten Frau Fastenrath und Herrn Emmermann vom Studienseminar Göttingen für eine eintägige Fortbildung gewinnen können. Es wird demnächst auch eine weitere Fortbildung mit den Grundlagen erfolgen und darüber hinaus Workshops mit dem Ziel, Unterrichtsmaterialien nach dem Scaffolding-Prinzip auf drei Sprachniveaus zu entwickeln.

Zur Information:

Rahmenbedingungen im Unterricht anpassen

Die Lehrkräfte müssen ihren Unterricht nicht nur sprachlich an die neuen Schüler anpassen, sondern auch Rahmenbedingungen berücksichtigen, die der RdErl. d. MK v. 1.7.2014 vorgibt:

6.1 Die individuelle Lernentwicklung ist gemäß den geltenden Grundsatzerlassen für die Schulformen fortlaufend zu begleiten, zu beobachten und schriftlich zu dokumentieren. Den individuellen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler ist auch bei der Sprachförderung Rechnung zu tragen. Die Zwei- oder Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler soll dabei berücksichtigt werden und Anerkennung erfahren.

6.2 Bei der Bewertung der Leistungen und der Benotung ist auf sprachlich bedingte Erschwernisse des Lernens Rücksicht zu nehmen und der individuelle Lernfortschritt zu beachten. Bei der Aufgabenstellung und Aufgabenformulierung sollen die jeweiligen sprachlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden.

6.3 In den ersten beiden Jahren des Besuchs einer Schule in Deutschland können die Noten in den Fächern, in denen die Beherrschung der deutschen Sprache Voraussetzung für eine erfolgreiche Mitarbeit ist, durch Bemerkungen über den Leistungsstand und den Lernfortschritt ersetzt oder ergänzt werden. In diesen Fällen ist eine unterrichtsbegleitende Sprachbeobachtungsanalyse durchzuführen und in die Dokumentation der individuellen Lernentwicklung aufzunehmen.

(…)

6.5 Für Schülerinnen und Schüler, die auf Grund noch nicht ausreichender Kompetenzen in der deutschen und / oder in einer neu erlernten Fremdsprache keinen oder einen erschwerten Zugang zu bestimmten Aufgabenstellungen haben und so nicht ihr tatsächliches Leistungsvermögen abrufen bzw. nachweisen können, können die äußeren Bedingungen für mündliche oder schriftliche Leistungsfeststellungen u.a. wie folgt verändert werden:

– zusätzliche Bearbeitungszeit

– Verwendung spezieller Arbeitsmittel (z.B. Wörterbuch, auch in elektronischer Form)

– personelle Unterstützung

– alternative Präsentation von Aufgaben und Ergebnissen

– alternative Leistungsnachweise (z.B. mündlicher statt schriftlicher Leistungsnachweis oder umgekehrt)

– Bereitstellung von Verständnishilfen und zusätzlichen Erläuterungen

– Exaktheitstoleranz


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Planungen an unserer Schule

  • Die Arbeitsgruppe „Sprachförderung“ möchte bis zum nächsten Schuljahr eine Reihe von Übungen zusammenstellen und den Klassenlehrern/Teams mit Kurzbeschreibungen zur Verfügung stellen, um die interkulturelle Kompetenzen zu unterstützen und Mehrsprachigkeit als Bereicherung aufzuzeigen.
  • Die Bemühungen der Arbeitsgruppe „Sprachförderung“ soll im nächsten Schuljahr mit einem Schulprojekt unterstützt und nachhaltig an unserer Schule verankert werden.
  • Auf der nächsten Dienstbesprechung soll das Kollegium mit einem Vortrag (Sprachbildungszentrum Wolfsburg) informiert und für das Thema „Stolpersteine der deutschen Sprache“ sensibilisiert werden.
  • Der Bedarf der Sprachförderung neuer Schülerinnen und Schüler soll schon bei der Schulanmeldung ermittelt werden, damit ein Förderbedarf geplant und gezielt umgesetzt werden kann.